Singers Präferenzutilitarismus
erzeugt:2016-11-08
letzte Änderung:2016-11-08

Singers Präferenzutilitarismus geht davon aus, dass diejenigen Handlungen gut sind, die Konsequenzen haben, die den Lebensinteressen einer möglichst großen Zahl von Wesen möglichst gut nützen, und zwar unabhängig der Zugehörigkeit dieser Wesen zu einer bestimmten Tierart. Dieser Ansatz ist aber aus mehreren Gründen problematisch.

Von den grundsätzlichen Problemen von Utilitarismus an sich einmal abgesehen ist etwa nicht klar, von welchen Wesen (Singer bezeichnet sie als „Personen“) die Lebensinteressen es überhaupt zu berücksichtigen gilt. Singer definiert nämlich „Personen“ als Wesen, die sich ihrer selbst bewusst und zu autonomem Handeln fähig sind, wozu auch eine Vorstellung von Zeit (Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft) gehört.

Nach dieser Definition sind aber etwa manche Behinderte, Hochbetagte oder Neugeborene keine „Personen“, ihre Lebensinteressen also nicht zu berücksichtigen, und auch der Umstand, dass eine Person, die schlicht und ergreifend schläft (!) eigentlich nicht eine Person im Singerschen Sinne ist, wirft Fragen auf.

Doch das Hauptproblem ist wohl, ob es überhaupt möglich ist, Interessen irgendwie „abrechnen“ zu können, was bei Singers Ethik fundamental wichtig ist, weil nicht weniger als das Lebensrecht (!) eines Individuums davon abhängt. Und da Singer eben nicht von inhärenten Werten von Individuen ausgeht, sondern eben utilitaristisch argumentiert, sind Gedankengänge möglich wie der, dass man etwa die Fortpflanzung von Menschen aus armen Ländern oder mit gewissen, negativen Eigenschaften einschränkt, weil deren Vermehrung dem Leben der Mehrheit der Individuen abträglich wäre – was eine Unterscheidung des Wertes eines menschlichen Wesens nach Rasse oder Herkunft bedeutet.

Salopp formuliert ist der Singersche Präferenzutilitarismus also ein ethischer Ansatz, der schon einmal eine problematische Grundlage hat (Utilitarismus), hierbei ein nicht bzw. nur willkürlich verwendbares Maß anwenden will („Lebensinteressen“), was mit Leichtigkeit auf Denkweisen hinausläuft, deren verheerende Wirkung bekannt ist (Rassismus).

Es wird zur weitergehenden Beschäftigung mit der Ethik von Peter Singer die Lektüre der ➚Diplomarbeit von Sabine Mäser 2008 empfohlen, die sehr gut zeigt, wie vage, unausgereift und fragwürdig sein Präferenzutilitarismus letztlich ist.