kein echter Schotte
erzeugt:2016-11-08
letzte Änderung:2016-11-09

Wird in einer Diskussion ein geforderter (Gegen-) Beweis erbracht, so kann die Begriffslage präzisiert werden, um etwa Missverständnisse auszuräumen. Wird ein Begriff hingegen umdefiniert, liegt ein Fehlschluss vor.

Als Paradebeispiel für diesen Fehlschluss wird meist eines wie das folgende angegeben:

„Schotten essen Porridge nicht mit Zucker.”
„Aber mein Onkel ist Schotte, und der verwendet Zucker.”
„Der ist kein echter Schotte. Echte Schotten essen ihren Porridge nicht mit Zucker.”

Hier wird also nachträglich die Begriffslage umdefiniert, was daran erkannt werden kann, dass plötzlich die Definition willkürlich erscheint. Denn was macht jetzt, einmal ganz abgesehen vom Problem der Deutungshoheit, einen „echten Schotten“ überhaupt aus? Das folgende Beispiel ist nämlich logisch korrekt:

„Schotten essen Porridge nicht mit Zucker.”
„Aber mein Onkel ist Schotte, und der verwendet Zucker.”
„Der ist ein eingewanderter Waliser. Echte Schotten essen ihren Porridge nicht mit Zucker.”

Während es beim ersten Beispiel im Grunde willkürlich umdefiniert worden ist, um selber Recht zu behalten, wird im zweiten Beispiel nicht umdefiniert, sondern präzisiert, was zulässig ist.1 Solche Präzisierungen können in Diskussionen wichtig sein, um klarzustellen, worum es eigentlich geht. Anderes Beispiel:

„Vegetarier nehmen kein natürliches B12 zu sich.“ „Unter Vegetarismus versteht man aber heutzutage auch Menschen, die Milch- und Eiprodukte konsumieren, die B12 enthalten.“ Auch wäre eine Aussage wie, die, dass echte Vegetarier kein Fleisch äßen, ebenfalls korrekt, weil das die Definition von Vegetarismus ist, und damit der Verzehr von Fleisch Vegetarismus ausschließt.

Es ist also zulässig, im Laufe einer Diskussion Begriffe zu klären. Werden sie allerdings, mit dem Zweck, einfach nur Recht zu behalten, schlicht umdefiniert, dann liegt ein Fehlschluss vor.

Das wohl prominenteste Bespiel im vegetarischen Diskurs ist, dass Hitler abgesprochen wird, ein „echter“ Vegetarier gewesen zu sein, weil er sich nicht immer vegetarisch ernährt oder es wahrscheinlich nicht aus moralischen Gründen heraus getan hat, bei positiv besetzen geschichtlichen Persönlichkeiten diese Gründe aber offenbar für eine Aberkennung ihres Status' als Vegetarier nicht auszureichen scheinen.


1: Wenn der Onkel ein Waliser ist, ist das der Tat ein gültiges Gegenargument, da dieser einen anderen kulturellen Hintergrund hat, und daher nicht konform geht mit den Gebräuchen derer, die in Schottland geboren und aufgewachsen sind. Diesem Gegenargument könnte wiederum begegnet werden mit einem Beispiel eines tatsächlich „echten“ Schotten, der trotzdem Porridge mit Zucker isst.