Nachhaltigkeit
erzeugt:2016-11-08
letzte Änderung:2016-11-08

Tiere verbrauchen den Großteil des Energiegehalts ihres Futters für ihre eigene Lebenstätigkeit, wandeln also nur wenig in Fleisch, Eier, Milch… um. Wäre es also effizienter, wenn statt Tierfutter gleich direkt verwertbare Feldfrüchte angebaut werden? Nein, weil einerseits Zellulose1 für den Menschen unverdaulich und erst über den Weg als Tiernahrung überhaupt verwertbar ist, andererseits eignet sich der Großteil der Böden garnicht für Feldfruchtanbau und kann nur als Weiden überhaupt genutzt werden, und außerdem müssen selbst normale Felder von Zeit zu Zeit brach liegen, und liefern dann ebenfalls nur Heu, welches Tieren verfüttert werden kann. Eine vegane Landwirtschaft könnte all diese Ressourcen nicht nützen.

Auf zahlreichen Internetseiten findet sich die Argumentation, dass Tierhaltung eine so dermaßen große Verschwendung wäre, dass mithin durch den Verzicht auf sie der Hunger in der Welt ein Ende nähme, so schreib beispielsweise der ➚Deutsche Vegetarierbund:

Beim Rind bleiben deutlich über 90 Prozent der Nahrungsenergie auf der Strecke. Mehrfach so viele Menschen können daher mit der gleichen Getreidemenge ernährt werden, wenn statt einem Schweineschnitzel ein Weizen- oder Sojaschnitzel daraus würde.

Das setzt allerdings voraus, dass „ein Weizenschnitzel“ den selben Wert als Nahrungsmittel hat wie Fleisch, und übersieht, dass Ziegen, Rinder, Schafe,… keine Nahrungskonkurrenten des Menschen sind, weil dieser Zellulose nicht verdauen kann. Pflanzliches Material wie Gras oder etwa Ölpresskuchen wird nämlich erst über seine Verwendung als Tiernahrung für den Menschen überhaupt nutzbar! Ähnlich verhält es sich mit Schweinen, deren Verdauungstrakt – der sprichwörtliche „Saumagen“ – wesentlich robuster als der menschliche ist, und etwa Essens- und sonstige Abfälle verwertbar machen, oder mit Hendeln, deren Fleisch und Eier für den Menschen wertvoller sind als Körner und Insekten.

Außerdem ist auch der größere Teil der Bodenflächen als Ackerland garnicht nutzbar, und wird daher beweidet,2 als Beispiel können hier die zentralasiatischen Steppen dienen, wo Viehzucht die einzige Möglichkeit der wirtschaftlichen Nutzung der verfügbaren Bodenflächen bedeutet. Weiters ist es auch notwendig, bei bestellbaren Böden diese regelmäßig brachliegen zu lassen, damit sie sich erholen und wieder für Feldfruchtanbau verwendet werden können. Wird eine Brachefläche nicht beweidet, dient das geerntete Heu als Viehfutter.

Nutztierhaltung ist also ein elementarer Teil einer effizienten und ressourcenschonenden Landwirtschaft.

Eine Kritik daran, dass sehr wohl „menschentaugliche“ Nahrungsmittel als Tierfutter verwendet und Futterpflanzen auf Ackerflächen angebaut werden, ist also verfehlt, wenn sie sich gegen das Prinzip der Tierhaltung allgemein richtet.3


1: Zellulose ist der Hauptbestandteil von Pflanzenfasern, und ist für den Menschen energetisch nicht verwertbar und daher ein Ballaststoff.

2: agrarbericht.de führt beispielsweise an, dass mehr als doppelt so viel Fläche beweidet als beackert wird.

3: Siehe dazu: Fehlschluss der Komposition