der naturalistische Fehlschluss
erzeugt:2016-11-08
letzte Änderung:2016-11-08

Moralische Werte werden immer auf Basis anderer moralischer Werte gebildet, daraus, wie Dinge sind (aus ihrer Natur) kann nicht abgeleitet werden, wie Dinge sein sollen.

Einer der vielleicht wichtigsten Fehlschlüsse überhaupt ist der naturalistische Fehlschluss, der darin besteht, aus natürlichen Gegebenheiten Verhaltens- oder moralische Normen ableiten zu wollen. Dieser Fehlschluss ist generell oft anzutreffen, und im vegan-tierrechtlerischen Diskurs besonders häufig.

Beispiel: Eine Bergstraße führt neben einem Felshang vorbei, der abzurutschen und auf die Straße zu fallen droht.

Der Schluss, dass es schlecht war, die Straße überhaupt dort gebaut zu haben, weil es gegen die Natur ist, Straßen neben Felswänden zu bauen, ist ein Fehlschluss, weil hier wird eine Verhaltensnorm – Straßen nicht neben Felswänden zu bauen – von einer natürlichen Gegebenheit abgeleitet wird, und nicht von einer anderen Norm oder einem anderen Wert.

Die Argumentation hingegen, dass die Straße dort nicht hingebaut hätte werden dürfen, wenn wir nicht wollen, dass Leute unter Felsen begraben werden, ist kein naturalistischer Fehlschluss, weil hier eine Verhaltensnorm – das Gebot, Straßen nicht neben Felswänden zu bauen – von einer anderen Norm abgeleitet wird, nämlich vom Wunsch, Opfer durch etwaigen Felsschlag zu vermeiden.

Man könnte auch sagen, dass der naturalistische Fehlschluss darin besteht, zu glauben, menschliche Wertmaßstäbe würden sich von natürlichen Gegebenheiten ableiten können, was nicht der Fall ist, sie leiten sich von anderen menschlichen Wertmaßstäben ab.