ad ignorantiam
erzeugt:2016-11-08
letzte Änderung:2016-11-08

Eine fehlende Beweislage schließt die Richtigkeit einer Aussage weder aus, noch kann sie dafür ein Beleg sein. Es kann also eine Aussage auch dann wahr (oder falsch) sein, wenn sie bis dato noch nicht bewiesen (oder widerlegt) worden ist.

Daher ist auch ein fehlender Beweis kein Grund dafür, dass eine Aussage falsch sein muss. Wenn jetzt jemand – um ein Beispiel aus dem veganen Diskurs zu nehmen – behauptet, Menschen wären keine Pflanzenfresser, aber auf die Aufforderung „Beweis mir das!“ nicht antworten kann, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Behauptung falsch ist.

Auf der anderen Seite ist nun auch ein fehlender Gegenbeweis kein Grund dafür, dass eine Aussage wahr sein muss. Wenn jetzt also jemand behauptet, die Beschaffenheit der semitrempholischen Enzyme des Proteïnstoffwechsels1 würden zeigen, dass der Mensch unzweifelhaft ein Pflanzenfresser ist, dann ist das Ausbleiben eines Gegenbeweises („Dann beweis mir doch das Gegenteil!“) kein Grund, dass die bewusste Behauptung wahr sein muss. Vereinfacht formuliert:

Der Umstand allein, ob momentan ein Beweis für eine Behauptung dargelegt, ist unabhängig vom Wahrheitsgehalt einer Behauptung.


1: Es gibt keine „semitrempholischen Enzyme“, ein solches Eigenschaftswort existiert nicht, es dient damit als Beispiel für eine absurde Behauptung.