anatomische Vergleiche
erzeugt:2016-11-08
letzte Änderung:2017-05-24

Aus Ähnlich- oder Unterschiedlichkeiten einzelner anatomischer Merkmale zwischen verschiedenen Tierarten allein kann auf die für bestimmte Tierarten (im veganen Diskurs zumeist: den Menschen) optimale Ernährungsweise nur dann geschlossen werden, wenn diese ausschlaggebend sind.1

So finden sich im vegan-tierrechtlerischen Diskurs zu Hauf Gegenüberstellungen von Gebissformen, Darmlängen,… verschiedener Tierarten, die zeigen sollen, dass sich der menschliche Verdauungstrakt – wie impliziert wird, als Ganzes – für tierische Nahrung nicht eignet.

Diese Argumente sind aber oft nicht einmal in sich selbst schlüssig, so sprechen diverse Quellen von einem Verhältnis von Darm- zu Körperlänge bei Fleischfressern und dem Menschen zwischen 1:3 und 1:10, bei Pflanzenfressern wie Wiederkäuern aber jenseits von 1:20, zudem sagt die bloße Länge eines Darmsystems nichts Konkretes über seine Funktionsweise aus, so haben etwa Menschen einen fast nicht vorhandenen Blinddarm, der bei vielen, pflanzenfressenden Tierarten wie etwa Pferden aber auch herbivoren Mäusen und Vögeln zur Aufspaltung von Zellulose dient und recht lang ist, außerdem haben Menschen ebenfalls einen recht kurzen Dickdarm, im Gegensatz zu Menschenaffen wie Orang Utans und Gorillas.2

Vergleiche von Gebissen sind ebenfalls oft von Unstimmigkeiten geprägt, so kann man zum Beispiel durchaus argumentieren, dass sich etwa das Gebiss des herbivoren (pflanzenfressenden) Gorillas wesentlich besser zum Erjagen und Fressen von Beutetieren eignet als das omnivoren (allesfressenden) Menschen, ist es doch wesentlich größer und kräftiger und mit großen Eckzähnen ausgestattet.

Auch kann es sein, dass bestimmte Tierarten, die zwar selber nicht Tiere jagen oder sich von Pflanzen ernähren, Merkmale von Tierarten aufweisen, die das sehr wohl tun, weil sie sich evolutionär von einem Ahnen entwickelt haben, der die entsprechenden Merkmale aufweist, auch wenn sie bei ihnen selber keine Funktion mehr haben.

Die Formel „Merkmal = Gesamteigenschaft“ funktioniert also weder aus logischen3 noch aus biologischen Gründen. Anatomische Merkmale müssen, salopp formuliert, den Ausschlag geben, um ausschlaggebend sein zu können.


1, 3: Allgemein ist diese Argumentation vom Charakter eines Fehlschlusses der Komposition, weil von den (postulierten) Merkmalen einzelner Bestandteile eines Organismus auf seine Gesamtbeschaffenheit geschlossen wird.

2: Für Zahlen siehe etwa: ➚www.originalhealth.net/1345