Adorno über Auschwitz und Schlachthäuser
erzeugt:2016-11-11
letzte Änderung:2016-11-11

Auschwitz fängt da an, wo einer im Schlachthaus steht und denkt: „es sind ja nur Tiere“

Obiges Zitat stammt angeblich von ➚T.W. Adorno, einem deutschen Philosophen, Soziologen, Musiktheoretiker und Komponisten. Allerdings wird nirgendwo belegt, wo Adorno genannten Satz nun gesagt oder geschrieben haben soll.

In der Tat lässt sich nur eine einzige Stelle in Adornos Werk auffinden, wo er sich überhaupt konkret auf Schlachthäuser bezieht, und zwar ist das das Kapitel Mensch und Tier in der Dialektik der Aufklärung;1 dort wird aber eher der Einstellung Ausdruck verliehen, dass Menschen mit Tieren umgehen, als ob sie seelenlose Gegenstände wären, wo doch gerade sie den Inbegriff der Seelenhaftigkeit darstellen, die sie in nahezu reiner Form, unbeeinträchtigt durch Reflektion, zu der sie nicht fähig sind, verkörpern, aber eine Bezugnahme Adornos auf die Vernichtungslager des Dritten Reichs lässt sich hier nicht finden, ein Vergleich von Schlachthäusern mit KZs findet nicht statt.

Obgleich sich Adorno also durchaus kritisch mit dem Verhältnis vom Mensch zum Tier auseinandergesetzt hat, ist eingangs festgehaltenes Zitat schlicht nicht belegbar.


1: Horkheimer, Adorno: Dialektik in der Aufklärung. Fischer-Verlag, Berlin 1975, ISBN 3-436-01487-7, Seite 219ff