Jänner 2010 

ein Vortrag über Klimawandel
erzeugt:2016-11-11
letzte Änderung:2016-11-11

Ich war auf einem ein Vortrag über Klimawandel, und er war äußerst interessant.

Erstens einmal: Der Klimawandel kommt. Er ist eigentlich schon da. Die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre, die sich jahrzehntausendelang – soweit man das zurückverfolgen kann, also – mehr oder weniger im Bereich von 180ppm1 bewegt hat, liegt jetzt bei mehr als dem Doppelten, und in wenigen Jahren vielleicht bei mehr als dem Vierfachen dieses Wertes.

Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung der Menschheit, so erfahre ich, war dabei bis etwa 1750 unbedeutend, auch 1870 noch harmlos, und ist nach 1945 förmlich explodiert.

Die Folgen davon sind eklatant, Klimaerwärmung, eine Beeinträchtigung des Stickstoffzyklus, das Verschwinden der nutzbaren Wasserressourcen, Biodiversitätsverlust,… sind die unmittelbaren Folgen davon, der Verlust der Biodiversität, also der Vielfalt an Lebensformen, wiegt dabei besonders schwer, weil Artenvielfalt es der Natur ermöglicht, sich an veränderte Gegebenheiten anzupassen, wir riskieren also mehr als nur eine Erwärmung der Atmosphäre.

Es wird die 12. Ausgabe der Zeitschrift Brennstoff zitiert mit:

Die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen ist aus wirtschaftlichen Gründen unverzichtbar.

Ein Überleben können wir uns im Interesse des Wirtschaftswachstums nicht leisten.

Denn man kann es drehen, wie man will: Wir haben ein Wirtschaftssystem, welches auf Wachstum angewiesen ist, um nicht zusammenzubrechen, und dabei Bedürfnisse schafft, die nicht existieren, um weiter wachsen und damit auch weiter funktionieren zu können – mit den entsprechenden Folgen für die Lebensweise der Menschen in den Industrieländern. Wieviel Paar Schuhe besitzt man heutzutage? Wie oft kauft man sich ein neues elektronisches Gerät? Wieviel fahren Kraftfahrzeuge herum, wo sie das eigentlich nicht müssten? (Die Mobilität der Menschen trägt 25% zum Ressourcenverbrauch bei.) Wieviel Energie geht für Heizen/Kühlen drauf? Auch beim Einkaufen, was kauft man alles ein, was man eigentlich nicht braucht (und vielleicht nachher verdirbt und weggeworfen wird)?

Denn man kann es drehen und wenden, wie man will, das Grundübel sind die fossilen Brennstoffe; auf der Grundlage ihres Verbrauchs basiert der Wohlstand der Industrienationen, das Bevölkerungswachstum auch der armen Länder, vier Fünftel des Gesamtweltenergiebedarfs wird mit fossilen Brennstoffen gedeckt.

Ich erfahre, dass in der menschlichen Psychologie kein direkter Weg vom Wissen zu Wissen gemäßem Handeln existiert.

Ich erfahre, dass die Klimakatastrophe eine Katastrophe „von uns Menschen“ für uns Menschen ist; wir können nirgendwohin ausweichen, weil wir überall sind, die Ressourcen werden knapper, auf ziemlich zynische Weise kann sich die Klimaproblematik selber lösen, wenn wir uns in Kriegen um Ressourcen selber dezimieren und Hungersnöte aufgrund der Zerstörung unserer eigenen Lebensgrundlage (siehe dazu die Zitate oben) das ihrige tun, der Vortrag ist äußerst interessant und nimmt mich emotional sehr mit, konfrontiert mit all dem, was auf unsere Generation in unserer Zeit noch alles zukommen wird.

Und während des ganzen Vortrags, während der ganzen Zeit, werden Viehzucht, Fleischverzehr, Milchprodukte … kein einziges Mal erwähnt.

Und auch das gibt mir zu denken.


1: „parts per million“, Anzahl der Moleküle pro Million